„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege“. Zu Jes 55, 6-11

„Meine Gedanken sind nicht eure Gedanken und eure Wege sind nicht meine Wege, spricht der Herr.“ Was für ein scharfes Wort. Da kommt doch schnell die Frage in den Sinn, was denn passiert, wenn mein Gedanken und meine Wege nicht mit Gottes Gedanken und Wegen übereinstimmen? Macht es Sinn überhaupt an Gott zu glauben, wenn ich seine Gedanken und seine Wege nicht kenne? Ja, und wie geht das denn, Gottes Gedanken zu kennen und zu denken? Paulus verschärft es dann später in seinen Briefen noch einmal, wenn er meint, dass Gottes Gedanken und Wege jedes menschliche Vorstellungsvermögen übertreffen und höher sind als alle Vernunft.

Liebe Schwestern und Brüder, die Worte des Propheten Jesaja sprechen uns ganz besonders an. Wir kennen folgende Erfahrung: Manchmal sind wir in unseren Plänen und Träumen gefangen und wollen, dass alles so eintritt, wie wir es uns ausgedacht haben. Wir wollen alles auf einmal, und zwar sofort. In unsere Gesellschaft empfinden wir oft Zeitdruck, wir möchten vieles schnell erreichen, und wie stellen uns sicher auch vor, dass Gott unsere Geschwindigkeit mitmacht. 

Wie oft stellen wir uns diese Fragen: Wo bleibst du Gott? Wieso hast du dies oder jenes zugelassen? Wo warst du da? Und … Unsere Vorstellung ist oft: Gott soll sofort auf unsere eigenen Situationen reagieren. Wir lassen Gott keine Zeit, keine Wahl und keinen Handlungsspielraum. Jesaja jedoch ruft uns mit seinem Wort zur Umkehr: Er lädt uns ein, die Freiheit Gottes zu erkennen, denn er handelt wie er es für gut befindet für seine Menschen. Zweifelt nicht an seiner Treue, die er uns zugesagt und gezeigt hat durch viele geschichtlichen Erfahrungen hindurch. Wir dürfen darauf vertrauen, dass seine Gedanken und seine Wege für uns durchaus quer zu unseren Gedanken liegen und dass sein Heilsweg Wege geht, die uns als Umwege erscheinen.

Ich erfahre es in meinem Leben so: Gottes Wort ist für mich der richtige Weg und der richtige Gedanke. Die Stimme Gottes, die ich durch sein Prophetenwort höre, ist der Weg, den Gott für uns bereithält, für jede und jeden einzelnen von uns und für sein Volk insgesamt. Gott kündigt sie an, diese Wege, durch sein Wort. Und sein Wort ist wirksam, es bewirkt etwas, es ist kein leeres Versprechen.

„Denn wie der Regen und der Schnee vom Himmel fällt und nicht dorthin zurückkehrt, ohne die Erde zu tränken und sie zum Keimen und Sprossen zu bringen, dass sie dem Sämann Samen gibt und Brot zum Essen, so ist es auch mit dem Wort, das meinen Mund verlässt: Es kehrt nicht leer zu mir zurück, ohne zu bewirken, was ich will, und das zu erreichen, wozu ich es ausgesandt habe.“

Das Wort Gottes hat die Macht, etwas Neues zu schaffen. Wie Regen und Schnee die Erde zu Wachstum und Fruchtbarkeit anregen, so kommt Gottes Wort in unser Leben und schenkt uns neue Erfahrungen. Das Wort Gottes verdichtet sich zu menschlicher Geschichte. Es hat Kraft. Gott sendet sein Wort aus, damit es auf der Erde bewirkt, was es soll. Ja, es ist so, wie es bei Jesaja heißt, sein Wort kommt nicht wieder leer zu ihm zurück, sondern es tut, was Gott gefällt und ihm gelingt, wozu Gott es gesendet hat. Durch das Wort Gottes werden wir die Wege, Gedanken und Spuren Gottes entdecken können. Seine Gedanken und Wege lassen sich finden durch sein Wort, wie Jesaja sagt „suchet den HERRN, solange er zu finden ist; ruft ihn an, solange er nahe ist“ Amen.

P. Gasto Lyimo Cssp.

Mit unruhigem Herzen einfach vor Gott

Liebe Schwestern und Brüder in Christus,

fast jeder von uns möchte sich Zeit für sich nehmen und sich erholen. Für viele von uns sind die Sommerferien die Zeit, in der wir mehr Ruhe und Zeit haben. Wir machen Urlaub, wir besuchen Freunde, wir gehen wandern und staunen über die Natur. Manchmal gelingt es uns, diese Tage zu erleben, ohne dass wir über viele Sachen nachdenken, die unsere innere Ruhe zerstören können, und manchmal auch nicht. Beim Lesen habe ich einen schönen Text von Benedikt Müntnich gefunden, der uns ermutigt auch mit unseren unruhigen Herzen einfach vor Gott zu kommen.

Er schreibt:

Wir machen beim Beten oft den Fehler, etwas Besonderes zu erwarten. Wenn das nicht eintritt, sind wir enttäuscht und geben auf. Aber Gott will gar nichts Besonders. Er will nur, dass wir mit unseren unruhigen Herzen einfach vor ihm da sind. Durch ihn wird unsere Seele still. Vielleicht passiert für den Augenblick nicht viel. Aber Gott lohnt das Warten auf ihn - mit dem Glück seiner Gegenwart, das zumeist ein stilles Glück ist, aber dann ist es von Dauer. Gott ist wirklich der liebende Gott, auch wenn es das völlig ungeschmälerte Glück in diesem Leben nicht gibt. Dieses ist uns für das ewige Leben aufbewahrt. Und doch: Gott ist wirklich da in unserem Leben! Der Heilige Geist bewirkt, dass dieses Vertrauen in unserem Herzen ist.

Mit diesen Worten wünsche ich Ihnen noch eine ruhige Sommerferien-Zeit und bleiben Sie gesund. Ich freue mich schon auf unsere weitere Begegnung nach den Sommerferien.

P. Gasto

Ich werde für dich sorgen

08.08.2020 - Kennst du diese Geschichte: Der Prophet Elija war in Not geraten. Kein Regen fiel auf das Land. Kein Wasser ist mehr da und keine Ernte. Er hat nichts zu essen und zu trinken. Elija hört die Stimme Gottes: Geh nach Sarepta und besuche die dort lebende Witwe und ihren Sohn. Sie wird für dich sorgen. Ohne zu zögern geht Elja zu ihr und bittet sie um Wasser und Brot. Da zeigt sich, dass sie selbst nichts hat. Sie bereitet sich mit ihrem Sohn auf ihre letzte Mahlzeit auf den letzten Resten vor, um dann zu sterben. Elija überredet sie, ihm noch eine Kleinigkeit zuzubereiten und verspricht ihr dazu auch noch, dass sie in Zukunft in Fülle leben würde. Keine Ahnung, was die Witwe bewogen hat, diesem törichten Versprechen zu glauben. Doch sie tut es und es geschieht wie Elija ihr gesagt hatte: Der Mehltopf wurde nicht leer, der Ölkrug versiegte nicht mehr (nach 1 Könige 1,1-16).

Kaum zu glauben, was dieses unverbrüchliche Vertrauen des Elija in seinen Gott und der Witwe in die Worte des Elija bewirkte. So geschehen Wunder: Im Zuspruch an den anderen, in der Verheißung und im Aufzeigen eines Weges. – Stehen wir einander bei in diesen Krisenmonaten, dann wird es allen gut ergehen.

Gebet:

Herr, zeige mir die Möglichkeiten,
die Dinge zu verändern, die ich verändern kann,

und gib mir die Kraft,
die Dinge zu ertragen, die ich nicht ändern kann,

und gib mir die Weisheit,
eines vom anderen zu unterscheiden.

(aus Irland)

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete Woche.

P.Gasto